Das oben bezeichnete Forschungsprojekt wird seit 1990 unter Leitung von Prof. Reinhard Brandt am Institut für Philosophie der Philipps-Universität Marburg durchgeführt. Vom 1.9. 1991 bis zum 31.12. 1994 wurde es von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Mit der Durchführung und der abschließenden Edition wurden Dr. Werner Euler und Gideon Stiening, M.A., als Wissenschaftliche Mitarbeiter beauftragt. Die Edition ist zur Zeit in der Vorbereitung.
Auf dem Weg zu diesem Ziel wurden intensive Aktenrecherchen im Staatlichen
Archiv in Olsztyn (Archivum Panstwowe w Olsztynie, Polen), im Geheimen
Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Merseburg (ehemaliges
Zentralarchiv der DDR) und in Berlin-Dahlem sowie in mehreren kleineren Archiven
in Berlin, Potsdam und Jena getätigt. Eine üppige Fülle bisher
unbekannter Dokumente (Briefe, Protokolle, Berichte etc.) kam ans Licht: 172 Schreiben
Kants, 68 an Kant, 547 mit Kants Unterschrift.
Die neuen Materialien wurden transkribiert, editionskritisch bearbeitet und mit
ausführlichen Kommentaren erläutert. Sie werden nun voraussichtlich
in zwei Bänden der Reihe Kant-Forschungen erscheinen.
Insgesamt vermittelt die in dieser Breite neuartige Textgrundlage ein von gängigen Standards der Kant-Literatur abweichendes Bild von Kant als Amtsperson insofern, als sie dokumentiert, daß Kant in vielen Bereichen seiner Mitwirkung an der Universitätsverwaltung (z. B. Universitätsreform, Personalpolitik, Angelegenheiten der Studenten, insbesondere deren Befreiung vom Militärdienst) mit Interesse und Engagement gestritten hat und Pluralitäten in seinem Sinne herzustellen wußte.
Zu den Nebenerträgen der Forschungsarbeit gehörten u. a. Aufschlüsse über den Gliederbau und den internen Betriebsablauf der Albertina; die Erweiterung der Kenntnisse über Studenten und Professoren; Daten zur Herstellung von Statistiken zur Senatsfrequentierung, Hörerfrequenz der einzelnen Fakultäten, Vorlesungsturnus etc.
Zahl und Zeitraum der Amtsverwaltungen Kants konnten aufgrund der Dichte des Datenmaterials erstmals sicher erschlossen werden:
Professor für Logik und Metaphysik: 1770-1804;
Dekan: SS 1776, WS 1779/80, WS 1782/83, WS 1785/86, WS 1787/88, SS 1791, WS 1794/95;
Rektor: SS 1786, SS 1788;
Senatsmitglied: 1780-1801.
Im Rahmen des Projektes wurde in der Herzog-August-Bibliothek
Wolfenbüttel am 6./7. April 1994 ein Arbeitsgespräch zum Thema:
'Die Entwicklung der preußischen Universitäten von 1750-1800'
veranstaltet. Die Ergenisse werden in Kürze publiziert.
Überblick über die von W. Euler und G. Stiening bearbeiteten Themen der kommentierten Dokumentation
I. Die vier Fakultäten
1. Die Theologische Fakultät
1.1. Kürzung der Emolumente (1776)
1.2. Berufung J. G. Hasses (1788)
2. Die Juristische Fakultät
2.1. Niederlegung der ordentlichen Professur durch K. R. Heinz (1779)
2.2. Wiederbesetzung der der ersten juristischen Professur und des Kanzleramtes (Nachfolge W. B. Jester), Berufung G. F. Holtzhauers zum Stipendienkurator (1785)
2.3. Wiederbesetzung der zweiten juristischen Professur (Bewerbung von D. Chr. Reidenitz) (1787)
2.4. Bewerbung von D. Chr. Reidenitz um ein juristisches Lehramt (1788)
2.5. Kollation der Stipendien durch den zweiten juristischen Professor (G. F. Holtzhauer) (1788)
2.6. Nichtbesetzung der juristischen Professur seit 1785 (1788)
3. Die Medizinische Fakultät
3.1. Fakultätsinterne Auseinandersetzungen über Vorlesungskompetenzen (1782)
3.2. Der Streit mit Professor Chr. G. Gruner in Jena (1783/84)
3.3. Neubesetzung der dritten Professur (1785)
3.4. Professor J. D. Metzger wegen Versorgung seiner unmündigen Kinder (1786)
3.5. Einrichtung und Unterhaltung des anatomischen Theaters in Königsberg (1788)
Beilage: Plan des ersten Theatrum anatomicum zu Königsberg
3.6. Der Promotionsakt (1788)
4. Die Philosophische Fakultät
4.1. Besetzung der poetischen Professur
4.1.1. Nachfolge J. G. Lindners (1776)
4.1.2. Bewerbung von C. E. A. Mangelsdorff (1784)
4.2. Der Lehrstuhl für orientalische Sprachen
4.2.1. Berufung und Besoldung von J. Chr. W. Diederichs (1779/80)
4.2.2. Der 'wandernde' Orientalist Wiener (1786)
4.2.3. I. A. Euchels Bewerbung als Lehrer für orientalische Sprachen (1786/87)
4.2.4. Bewerbung von F. Th. Rink um eine außerordentliche Professur (1794)
4.3. Bewerbung von J. Schulz um die mathematische Professur (Nachfolge F. J. Bucks) (1786)
4.4. Vorlesungen über Technologie und Naturgeschichte
4.4.1. Bewerbung L. v. Baczkos um ein Lehramt in Philosophie (1786)
4.4.2. Bewerbung des Fabrikinspektors J. K. G. Jacobson (1787)
4.5. S. G. Walds Antrag auf öffentliche Lesung der antiken Klassiker (1790)
4.6. Kant als Dekan
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II. Organisation des Lehr- und Studienbetriebes
1. Kants Laufbahn
1.1. Bewerbungen
1.2. Belobigungen
1.3. Berufungen und Ehrungen
1.4. Der Streit zwischen Tieftrunk und Nicolai über die Herausgabe kantischer Schriften (1800)
1.5. Tod, Begräbnis, Erbschaftsverwaltung
1.6. Kants Gehalt
1.6.1. Überblick
1.6.2. Danksagung für Gehaltszulage (27.3.1789)
1.6.3. Bemerkungen in Sachen Salarien (1788, 1798)
2. Kants Vorlesungen
2.1. Beschreibung und tabellarischer Überblick zu Kants Vorlesungen
2.2. Kant und die Studenten. Ausgestellte Zeugnisse
2.2.1. Die Studenten der Theologischen Fakultät
2.2.2. Die Studenten der Juristischen Fakultät
2.2.3. Die Studenten der Medizinischen Fakultät
2.2.4. Die Studenten der Philosophischen Fakultät
2.2.5. Ein Streit zwischen Studenten in Kants Hörsaal (1792)
3. Projekte zur Etablierung eines Lehrerseminars in Königsberg (1788-1793)
3.1. Das pädagogische Seminar am 'Collegium Fridericianum'
3.2. Die Umwandlung des Alumnats in ein 'Seminarium Scholasticum'
4. Schul- und Universitätsreform
4.1. Die 'Kantsche Idee' (1788)
5. Prüfung und Immatrikulation
5.1. Prüfung einzelner Studenten
5.1.1. Der Novize C. H. Schreiner (1779)
5.1.2. Die Immatrikulation des Studenten Putz (1785)
5.1.3. Die Bitte des Schulrektors St. Wannowski um eine Prüfungswiederholung unter Kants Rektorat (1786)
Beilage: Immatrikulationsurkunde für G. T. Blumer (29.9.1789)
5.2. Prüfungsprotokolle (1790/91)
5.3. Zeugnisse der Reife und Unreife (1791)
Beilage: Dimssionsschein für D. G. Ungerbühler
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III. Organisation und Verwaltung der Universität
1. Das Rektorat
1.1. Die Auseinandersetzung zwischen J. D. Metzger und J. Chr. Bohlius (1785)
1.2. Kant als Rektor
1.2.1. Die Verwicklungen um Kants erstes Rektorat und deren Auflösung durch die 'Turnus-Theorie' (1786)
1.2.2. Bericht über die Ablegung des Amtseides (6.9.1786)
1.2.3. Weisungen an den Senat (1786)
1.3. Verzichtserklärung (1796)
1.4. Übersendung von Rektoratsakten (1798)
2. Der Senat
2.1. Metzgers Einrücken in den Senat
2.2. Kant als Senator
2.2.1. Aufnahme in den Senat (1780)
2.2.2. Kants Initiativen im Senat
2.2.3. Statistischer Überblick der Teilnahme Kants an den Sitzungen des Senats
2.2.4. Adjunktur und Niederlegung der Senatsgeschäfte (1797-1801)
3. Rendantur und Syndikat
3.1. Kants Verzichtserklärung (25.6.1780)
3.2. Besetzung der Rendantur (1789)
3.3. Kombination der Rendantenstelle mit dem Amt des Syndikus (1789/90)
3.4. Besetzung des Syndikats (1790)
3.5. Revision des Kassenwesens (1791)
3.6. Der 'Friedelsche Defekt' (1795-1800)
4. Die Ökonomie der Universität
4.1. Kreditwesen
4.1.1. Bericht über Obligationen (1776)
4.1.2. Die Schuldverschreibung von J. G. Harwardt (1788)
4.1.3. Die Anleihe des 'Häckers' Minuth (1788)
4.1.4. Stadtrat Wirths Konkurs (1788)
4.2. Streitsachen
4.2.1. Grenzstreit über das Gut Eisenbarth (1788)
4.3. Erbschafts- und Nachlaßverwaltung
4.3.1. Der Nachlaß des Professors Werner (1786)
4.3.2. Die Trummersche Detraktsache (1795)
4.3.3. Die Kypkesche Stiftung (1778/1796-1797)
5. Das Konviktorium
5.1. Umwandlung des Konviktoriums in Geldfreitische (1794)
6. Das Stipendienwesen
6.1. Stipendienvergabe unter Kants Mitwirkung (1786)
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IV. Kant im Spannungsfeld von Universität und staatlicher Obrigkeit
1. Trauerakte zum Tode Friedrichs II. (1786)
2. Erbhuldigungen
2.1. Die Huldigung von 1786
2.1.1. Verteilung der Huldigungsmünzen und -medaillen
2.1.2. Organisation der Feierlichkeiten
2.1.3. Verbot des Studentenaufzugs
2.2. Die Huldigung von 1798
2.2.1. Der Ball im 'Moskowiter Saal'
3. Königsgeburtstage
3.1. Programm für den Kgl. Geburtstag (1786)
4. Ehrungen
4.1. Glückwunsschreiben an Wöllner (8.8.1788)
4.2. Empfehlungsschreiben an den Oberkurator (4.8.1788)
5. Konflikte mit den Militärbehörden
5.1. Die kantonpflichtigen Studenten
5.2. Die Entlassung Gutowskis aus dem Militärdienst (1786)
5.3. Die Rekrutierung des Studenten Geyer (1786)
5.4. Die 'Ungerechtigkeit' gegen Usko und Dittlof (1791)
5.5. Die Klage des Studenten Wächter gegen das Militär (1791)
6. Studententumulte
6.1. Aufruf zu diszipliniertem Verhalten bei Versammlungen im Auditorium maximum (1786)
6.2. Verhör des Studenten Mager wegen respektlosen Verhaltens im Konviktorium (1788)
V. Zensur und Druckwesen
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1. Kant und die Buchdrucker
1.1. Buchdrucker Degen und die Zensur einer von L. v. Baczko herausgegebenen Zeitschrift (1795)
1.2. Quittungen
2. Kant als Zensor
2.1. Streit um die Zensur der 'Comoedienzettel' (1787)
Beilage: Komödienzettel der 'Schuhischen Gesellschaft Deutscher Schauspieler' mit zweifachem 'Imprimatur' (7.2.1787)
2.2. Hennig contra Kant. Zensurstreitigkeiten zwischen der Universität und der 'Königlich deutschen Gesellschaft' (1788)
2.3. L. v. Baczkos 'Versuch einer Geschichte und Beschreibung der Stadt Königsberg'
2.4. Zensur der Kanterschen gelehrten Zeitungen (1789)
2.5. Zensur der 'Kritischen Blätter' (1791)
3. Kant als Betroffener der Zensur
3.1. Die Auswirkungen des Zensurediktes auf Kants Religionsschrift
3.2. Zensur weiterer Schriften Kants
VI. Die Universität und die Stadt Königsberg
1. Der Streit über den Blitzableiter an der Haberbergschen Kirche (1788)
2. Verpflichtung der Professoren zur Feuerwache (1788)
3. Kants Engagement für die Armenanstalt (1790)
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