Transkription: Gedanken beim frühzeitigen Ableben...


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Original Scan Seite 7




Dieses sind, Gnädige Frau, die Züge von dem Charakter Dero vor-
mals im Leben mit Recht so geliebten Herren Sohns, welche, so
schwach sie auch entworfen worden, gleichwohl viel zu sehr die Wehmuth
erneuern werden, die Sie über seinen Verlust empfinden. Aber eben diese
bedauerte Eigenschaften sind es, die in solchem Verluste zu nicht geringem
Troste gereichen; denn nur denen, welche die wichtigste unter allen Absichten
leichtsinnig aus den Augen setzen, kann es gleich viel sein, in welchem Zu-
stande sie die Ihrigen der Ewigkeit überliefern. Ich überhebe mich der
Bemühung, Ew. Gnaden weitläuftige Trostgründe in dieser Betrübniß
darzulegen. Die demüthige Entsagung unserer eigenen Wünsche, wenn
es der weisesten Vorsehung gefällt ein anderes zu beschließen, und die christ-
liche Sehnsucht nach einerlei seligem Ziele, zu welchem andere vor uns
gelangt sind, vermögen mehr zur Beruhigung des Herzens, als alle Gründe
einer trockenen und kraftlosen Beredsamkeit. Ich habe die Ehre mit
größtem Respect zu sein,




Hochwohlgeborne Frau,
Gnädige Frau Rittmeisterin,


Ew. Gnaden


Königsberg,
Den 6. Jun. 1760.




gehorsamster Diener
I. Kant.









Dieser Text wurde der Akademie-Ausgabe Band II S. 037-044 entnommen. Die Daten entsprechen der von IKS e.V., Bonn publizierten CD-ROM "Kants gesammelte Schriften".

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Letzte Änderung: 14.11.1997