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Walter Kuhrke: Im Sommer 1914 erhielt Walter Kuhrke, tätig beim Städtischen Hochbauamt zu Königsberg i. Pr., von seinem Vorgesetzten Magistratsbaurat Heydeck den Auftrag, das ehemalige Wohnhaus Kants in der Prinzessinstraße 3/3a zeichnerisch zu rekonstruieren. Durch die Mithilfe des Professors Doebbelin, Enkel des späteren Besitzers des Hauses Mitte des 19.Jhdts., und die Hilfestellung des Amtsgerichtsrats Arthur Warda beim Studium der Grundbuchakten erhielt er Zugang zu Informationen, die lange Zeit verschollen waren.
Mehr als zwei Jahre befasste sich Walter Kuhrke mit der Erforschung der ehemaligen Beschaffenheit des Kantschen Wohnhaus, bevor er 1917 seine Arbeit mit der Veröffentlichung des Bandes KANTS WOHNHAUS abschließen konnte.
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| »An dieser Stelle stand das Haus, in welchem Immanuel Kant wohnte und lehrte von 1783 bis 1804« |
Bis zur Aufarbeitung durch Kuhrke in den Jahren 1915-1917 war die Wohnstätte Kants im Bewußtsein Königsbergs durch Geschäftigkeit und Fortschritt verdrängt worden. Nur diese kleine Gedenktafel, zwischen Glasschildern eines Kaufhauses, erinnerte an das ehemalige Haus des großen Philosophen.
Dazu ein externer Link: Ostpreussen-Blatt
Das Grundstück des Hauses, zwischen Prinzessinstraße und Schloßgraben gelegen, trug im 17.Jhdt. den Namen "Alte Landhofmeisterei" und hatte bis zur Erwerbung durch Kant die Adresse Prinzessinplatz 87/86.
Kants Schüler und Biograph, Reinhold Bernhard Jachmann, zu Lage und Aussicht:1
| Grundriß | Architektur | Einrichtung |
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Es handelte sich um ein zweigeschossiges Haus, mit einem Dachstuhlausbau und einem gewölbten Keller. An der Straßenseite war es 54 Fuß 6 Zoll breit, zur rechten 23 Fuß 4 Zoll und zur linken 26 Fuß tief. | Die Ausstattung der Zimmer war sehr einfach gehalten. Tische, Stühle und ein kleines Kanapee machten im wesentlichen bereits die ganze Möblierung aus. Nur wenige Zimmer enthielten besondere Stücke. Die weißen Wände wurden nüchtern belassen. |
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Im unteren Stock war auf dem einen Flügel sein Hörsaal, auf dem anderen die Wohnung seiner Köchin. | |
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Im oberen Stockwerk auf dem einen Flügel sein Eßsaal, seine Bibliothek und Schlafstube. Auf dem anderen sein Visitenzimmer und seine Studierstube. Die Studierstube lag nach Osten und hatte einen freie Aussicht über mehrere Gärten. | Visitenzimmer und Eßstube zierte er durch einen Spiegel. Die Studierstube enthielt neben seinem Schreibtisch eine Kommode und zwei Tische, auf welchen stets Schriften und Bücher lagen. An der Wand hing ein Bildnis Jean Jacques Rousseaus. |
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In einer kleinen Dachstube wohnte sein Bedienter. |
»Wenn man sich seinem Hause näherte, so kündigte alles
einen Philosophen an. Das Haus war etwas antik, lag in einer zwar gangbaren,
aber nicht viel befahrnen Straße, und sties mit der Hinter-Seite an
Gärten und Schloß-Gräben, sowie an die Hinter-Gebäude des
vielhundertjährigen Schloßes mit Thürmen, Gefängnissen und
Eulen. Im Frühling und Sommer aber war die Gegend recht romantisch; nur
daß er sie nicht eigentlich genoß - (denn es war nicht sein Garten,
der an der Seite lag, wohin kein Fenster gieng) sondern nur sah. Trat man in
das Haus, so herrschte eine friedliche Stille, und hätte einen nicht, die
offene und nach Essen riechende Küche, ein bellender Hund oder eine
miauende Katze, Lieblinge seiner Köchin (mit denen diese, wie K. sagte,
ganze Sermone hielte) eines andern überzeugt, so hätte man denken
sollen, dies Haus sey unbewohnt. Stieg man die Treppe hinauf, so zeigte sich
freylich der beym Tischdecken geschäftige Bediente; jedoch gieng man durch
das ganz einfache, unverzierte, zum Theil räuchrige Vorhaus in ein
größeres Zimmer, das die Putz-Stube vorstellte; aber keine Pracht
zeigte. Ein Sopha, etliche mit Leinwand überzogene Stühle, ein
Glaß-Schrank mit einigem Procellän, und ein Büreau, das sein
Silber und vorräthiges Geld befaßte, nebst einem Wärmemesser
waren alle die Moeubeln, die einen Theil der weißen Wände bedeckten.
Und so drang man durch eine ganz einfache, armselige Thür, in das eben so
ärmliche Sans-Souci, zu dessen Betretung man beym Anpochen, durch ein
frohes 'herein' eingeladen wurde. (Wie schlug mir das Herz, als dies das
erstemahl geschah!) Das ganze Zimmer athmete Einfachheit und stille
Abgeschiedenheit vom Geräusche der Stadt und Welt. 2 gemeine Tische, ein
einfacher Sopha und etliche Stühle, worunter sein Studier-Sitz war, und
eine Commode, ließen in der Mitte einen leeren Raum übrig,
vermittelst dessen man zum Baro- und Thermometer kommen konnte, die er
fleißig consul[t]irte. Hier saß der Denker auf seinem ganz
hölzernen Halbcirkel-Stuhle, wie auf einem Dreifuß, entweder noch am
Arbeits-Tische, oder schon nach der Thür gekehrt, weil ihn hungerte, und
er seine Tisch-Gäste sehnlich erwartete.«
Mit dem Tode Kants geriet sein Haus in Vergessenheit. Es wurde verkauft und in ein Gasthaus mit Billardtisch und Kegelbahn umgewandelt. Am 31. August 1836 wurde es dann von dem Zahnarzt Doebbelin gekauft und als Praxis genutzt wird. Er ließ die bereits zu Beginn erwähnte Gedächtnistafel an der Hausfront anbringen.
Ende des 19. Jhdts. wurde das Gebäude in ein ein Geschäftshaus mit einigen Läden umgewandelt. Wie eine Photographie aus dem Jahre 1893 zeigt, brachte dies deutliche Veränderungen im Erscheinungsbild mit sich. Neben den angebrachten Reklameschriften betraf das vor allem den Umbau von Frontfenstern in Eingangstüren und Schaufenster.
Nur wenige Jahre nach dem Entstehen dieser Fotografie mußte das Haus gänzlich einem Neubau weichen.
Einzig die Gartenansicht behält über die Jahrzehnte hinweg im Wesentlichen ihr Äußeres.