Wolfgang Thaler: Biografie

(Foto © Privatarchiv Wolfgang Thaler)

(Foto © Privatarchiv Wolfgang Thaler)

Wolfgang Thaler wurde 1958 im österreichischen Möllbrücke (Bundesland Kärnten) geboren. Schon während seiner Schulzeit träumte er davon, einmal im Filmbereich zu arbeiten, schreckte dann aber doch davor zurück, sich bei der Wiener Filmakademie um einen Studienplatz zu bewerben. Stattdessen studierte er Landwirtschaft und arbeitete als Bienenzüchter. Dieser absonderlich erscheinende Umweg zu seinem späteren Beruf hat aber dennoch erhebliche Bedeutung für seine Tätigkeit als Kameramann. Wolfgang Thaler hat hier wohl das genaue, geduldige Beobachten gelernt und auch das Interesse für die Natur und für die Biologie hat er sich bewahrt, wie seine Filme Bienen – Ein Leben für die Königin (1998) und Ameisen – Die heimliche Weltmacht (2005) eindrucksvoll beweisen. In beiden Dokumentationen fungierte Wolfgang Thaler zugleich auch als Regisseur.

Der Traum vom Filmemachen ließ ihn aber während seines Studiums der Agrarwissenschaften nicht los. Wolfgang Thaler schrieb sich bei der Filmakademie als Gasthörer für das Fach “Produktion” ein, um sich schließlich für die Kamera-Klasse zu bewerben. Er reichte eine Mappe mit eigenen Fotografien ein und bestand die Aufnahmeprüfung. Sein Studium finanzierte er, indem er als Koch und als Kameraassistent arbeitete. Seit 1988 ist er als freier Kameramann tätig.

Wolfgang Thaler drehte zunächst Kurzbeiträge für die Nachrichtensendung Österreich Bild. Aufsehen erregte er 1993 mit einer 90 Minutenreportage über Tibet (In the Land of Bod), die über drei Monate Drehzeit erforderte. Dieser schloss sich 1994 seine erste 35-Millimeter-Produktion an, die im Nordpol-Eis und in der arktischen Kälte entstand und ebenso mehrere Monate in Anspruch nahm (Arktis Nordost). Seitdem gilt Wolfgang Thaler als ein Kameramann, der die extremen Herausforderungen nicht scheut und der immer an die Grenzen des Machbaren geht.

1997 verpflichtete ihn Michael Glawogger für die Dokumentation Megacities, die auch international stark beachtet wurde und vor allem auch wegen ihrer expressiven Bildlichkeit viele Preise gewann. Die Kooperation mit Michael Glawogger setzte sich sowohl in Spielfilmen wie auch in Dokumentarfilmen fort: Nacktschnecken (2002), Workingman’s Death (2004) und Contact High.

Ulrich Seidl, der neben Michael Haneke sicher bedeutendste Regisseur des österreichischen Gegenwartskinos, arbeitet seit seinem ersten Spielfilm Hundstage (2001) kontinuierlich mit Wolfgang Thaler zusammen. Mit Filmen wie Jesus, du weißt (2002) und Import/Export (2007) erreichen Ulrich Seidl und Wolfgang Thaler große internationale Resonanz, lösen weltweit Kontroversen und Debatten aus. Bereits Hundstage wurde bei den Filmfestspielen in Venedig mit dem großen Preis der Jury ausgezeichnet. Import/Export lief in Cannes im offiziellen Wettbewerbsprogramm. Wolfgang Thaler gehört nach diesen Filmen ganz ohne Frage zur ersten Reihe der europäischen Kameraleute.

Eine enge Kooperation besteht auch mit dem deutschen Dokumentarfilmregisseur Pepe Danquart. Höllentour (2003) und Am Limit (2007) geben ebenso spektakuläre wie intime Einblicke in die Extremsportarten Radfahren und Speed-Klettern.
Aber nicht nur mit etablierten Regisseuren arbeitet Wolfgang Thaler erfolgreich zusammen. Er hat auch der Regie-Anfängerin Andrea Maria Dusl zu einem bemerkenswerten Debüt verholfen: Blue Moon (2002).
Seit dem Wintersemester 2008/09 unterrichtet Wolfgang Thaler zudem als Professor an der Filmakademie Wien Kameraarbeit und Bildgestaltung.







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