Starship Troopers
von Bernd Giesemann
Der Film Starship Troopers, die sechste Kooperation von Jost Vacano mit dem holländischen Regisseur Paul Verhoeven, gehörte bei seinem Erscheinen zu den am heftigsten diskutierten Produktionen des Jahres 1997. Der fiktive Entwurf einer weltumspannenden Militäroligarchie mit einer faschistisch geprägten Gesellschaftsordnung, die in einem Krieg mit mörderischen Rieseninsekten auf fernen Planeten steht und sich zudem äußerlich als typischer Vertreter des effektgeladenen Blockbusters des Science-Fiction-Genres zu erkennen gibt, wurde in den Feuilletons und von der Filmkritik überwiegend scharf verurteilt. Dabei wurde oftmals allzu eilfertig übersehen, dass sich Paul Verhoevens Zukunftsstudie vielmehr als ein durchdachtes, satirisch-kritisches Porträt der zeitgenössischen, westlichen Gesellschaft betrachten lässt.
Es ist das dem Regisseur immer wieder konstatierte typische Arbeitsmerkmal, die Erscheinungen und Tendenzen der Gegenwart aufzugreifen und in einer sarkastischen Überhöhung das Publikum anschließend damit zu konfrontieren. Verhoeven arbeitet dabei vorwiegend suggestiv, nutzt in seinen Filmen gerade die Symbolik und Ikonographie der Instanzen, die er mit seinen Werken dekonstruieren und deren Scheinhaftigkeit er mit den ihnen eigenen Ausdrucksmitteln bloßlegen will. So eröffnet auch Starship Troopers durch das offene Spiel mit Symbolen und Topoi des Faschismus einen Diskurs über die jederzeit vorhandenen Möglichkeiten visueller Manipulation in den heutigen Bildmedien und die Wirkungsmächtigkeit einer geschickt inszenierten, propagandistischen Bildästhetik.
Verhoevens bittere Kritik am Zeitgeist vermittelt sich in Starship Troopers hauptsächlich durch Jost Vacanos penibel geplante Bildsprache, die in mehrschichtigen visuellen Tableaus den Intentionen des Regisseurs einen exakten Ausdruck verleiht. Die Konzeption der Bilder orientiert sich gezielt an den medialen Zeichensystemen populärer Nachrichten- und Unterhaltungsformate des Fernsehens der neunziger Jahre sowie den spezifischen Sehgewohnheiten seines mehrheitlichen Publikums. Die Bildannäherungen und -zitate generieren einen realistisch wirkenden Rahmen für den weit in der Zukunft angesiedelten Erzähltopos und legitimieren durch ihr hohes Identifikationspotential die Illustrationen von Starship Troopers auch als authentische Alltagsbilder der gegenwärtigen Gesellschaft. Tatsächlich manifestiert sich mit den Bildern jedoch nur eine visuelle Hülse, in die immer wieder Aufnahmen eingearbeitet werden, die eine unverhohlene Analogie zur Stilistik und programmatischen Struktur der Propaganda-Filme des Zweiten Weltkriegs herstellen. In diesen Momenten gibt sich Starship Troopers vor allem als selbstreflexives Kino zu erkennen. Das visuelle Verwirrspiel mit den Konventionen zeitgenössischer Medienproduktionen, verfälschenden Wiedererkennungseffekten und den dramaturgischen Stilmitteln des Propagandafilms ist letztlich eine ernüchternde Offenlegung des Film-Bildes als vielschichtiger Träger von austauschbaren Botschaften. Dabei ist es insbesondere das autonome und dynamische Handeln der Kamera, das die Strukturen des kinematographischen Gestaltungsaktes wiederholt durchbricht und seine illusionären Konstrukte für den aufmerksamen Beobachter sichtbar werden lässt. Im Verlauf des Films ist es der Aufnahmeapparat selbst, der die Positionsabhängigkeit im Rezeptionsprozess, die Vielfalt der Perspektiven und ihre Auswirkungen auf die Art der Interpretation des Gezeigten offenbart. Dem Zuschauer wird die Gebundenheit seiner Blicke an das Objektiv der Kamera drastisch bewusst gemacht. Er muss erkennen, dass die Kamera über seine Sicht nach Belieben verfügt und er sich viel zu oft bereitwillig und unkritisch ihren Blickinteressen unterwirft. Die Genese filmischer Bilder, darauf scheint die Kameraarbeit in Starship Troopers explizit hinzuweisen, unterliegt immer den individuellen Entscheidungskriterien und Formierungsabsichten seiner Produzenten, erzeugt Dokument und Manipulation zugleich.
Starship Troopers. USA 1997. 35mm. Regie: Paul Verhoeven, Buch: Edward Neumeier nach dem Roman von Robert A. Heinlein. Bildgestaltung: Jost Vacano, Operator: Bill O‘Drobinak, Ton: Joseph Geisinger, Musik: Basil Poledouris, Schnitt: Mark Goldblatt, Caroline Ross, Visuelle Effekte: Peter Kuran, Phil Tippett, Produzenten: Jon Davison, Frances Doel, Stacy Lumbrezer, Alan Marshall, Edward Neumeier, Phil Tippett, Produktion: TriStar Pictures, Touchstone Pictures, Big Bug Pictures. Darsteller: Casper Van Dien, Dina Meyer, Denise Richards, Michael Ironside.