„Die Kamera als Augenzeuge“ – Eine Ausstellung

Jost Vacano fotografiert den U-Boot-Krieg für den Spielfilm DAS BOOT (1981)

Jost Vacano gehört zu den wenigen deutschen Kameraleuten der Gegenwart, die internationale Bedeutung erlangt haben. Seine Oscar-nominierte Kameraarbeit für den Welterfolg Das Boot eröffnete ihm die Möglichkeit einer Karriere in Hollywood, wo er als Director of Photography von 1986 bis 2000 an zahlreichen Großproduktionen beteiligt war. Die konzeptionellen Entscheidungen von Vacano, Das Boot mit einer extrem bewegten Kamera ganz aus der Hand zu drehen, und eine unmittelbare, dokumentarische Ästhetik anzustreben, prägten den Film entscheidend und sind daher auch maßgebend für seine weltweite Wirkung.
In der Ausstellung „Die Kamera als Augenzeuge. Jost Vacano fotografiert den U-Boot-Krieg für den Spielfilm Das Boot (1981)“ wird vom 13. März an zwei Monate lang Jost Vacanos herausragende bildgestalterische Leistung bei der Verfilmung des Romans von Lothar-Günther Buchheim, die zweifellos einen Höhepunkt in Vacanos Werk markiert, erfahrbar gemacht. Zahlreiche Exponate und umfangreiche Hintergrundinformationen lassen die Besucher auf neue Weise eintauchen in die beklemmende Welt des U-Boot-Krieges, der von ihm so meisterhaft visualisiert wurde. Ein absolutes Highlight der Ausstellung ist ein nach den Vorgaben Vacanos von ARRI entwickelter Kamera-Prototyp, wie er für die Aufnahmen von Das Boot verwendet wurde. Auch der einzige in Deutschland verbliebene Kreiselstabilisator, eine Entwicklung Vacanos, mit deren Hilfe es ihm gelang, die erheblichen Erschütterungen während des Drehs zu minimieren und seinen legendären Sprint durch die engen Kugelschotte des U-Boots durchzuführen, wird zu bestaunen sein. Nicht unberücksichtigt bleibt die Tatsache, dass es sich bei Das Boot um eine Literaturverfilmung handelt. Neben Erstausgaben des Romans und des ebenfalls von Lothar-Günther Buchheim stammenden Bildbandes U-Boot-Krieg wird ein Nachdruck seiner erstmals 1943 erschienenen Kriegsreportage Jäger im Weltmeer und ein mit handschriftlichen Notizen versehenes Drehbuch ausgestellt. Eine Contax II aus den 1930er Jahren, das Fotokameramodell, mit dem Buchheim einen Großteil seiner Kriegsbilder fotografierte, vervollständigt diesen Ausstellungsbereich. Keine Ausstellung zu einem Film ohne bewegte Bilder: Die WDR-Dokumentation Bilder aus erster Hand. Der Kameramann Jost Vacano wird auf einer Leinwand zu sehen sein und nicht nur Einblicke in das Selbstverständnis des Bildgestalters ermöglichen, sondern auch einen Überblick über sein Werk geben. Abgerundet wird die Ausstellung von Jost Vacanos wichtigsten Auszeichnungen, zahlreichen Informationen zur Produktion und Rezeption von Das Boot, erstmals öffentlich ausgestellten Fotografien vom Set und einem weiteren Highlight: einem Originalmodell des U-Boots.
Wir bedanken uns bei den Firmen ARRI, Bavaria Film und Carl Zeiss, der Deutschen Kinemathek sowie Albrecht von Bethmann und Wolfgang Treu für die freundliche Bereitstellung der Exponate. Darüber hinaus danken wir Dr. Lydia Kaiser und der Universitätsbibliothek Marburg, Thomas Neutze (EigenArt), Sven Femerling (Laborrotwang), Götz Weidner und dem Deutschen Filminstitut (DIF) für die Unterstützung. Vor allem gilt unser Dank aber Jost Vacano – für die Bereitstellung zahlreicher kostbarer Exponate und für seine grandiosen Bilder. Wir freuen uns besonders, dass er die Ausstellung gemeinsam mit dem Direktor der Universitätsbibliothek Hubertus Neuhausen am Samstag, den 13. März um 12:30 Uhr persönlich eröffnet.

Ausstellung in der Zentralbibliothek
Die Kamera als Augenzeuge. Jost Vacano fotografiert den U-Boot-Krieg für den Spielfilm DAS BOOT (1981)

Eröffnung
Samstag, 13. März 2010, 12:30 Uhr

Dauer der Ausstellung
13. März–15. Mai 2010

Öffnungszeiten
Montag bis Sonntag 08:00–24:00 Uhr
Von Karfreitag bis Ostermontag ist die Ausstellung geschlossen.
Der Eintritt ist frei.