MORD IN FRANKFURT: Film und Diskussion am 17. Februar / Das Editorial zur Filmreihe

Der tschechische Schauspieler Václav Voska als Andrej Markowski in MORD IN FRANKFURT (1968) (Quelle: Filmstill)MORD IN FRANKFURT: Film und Podiumsdiskussion als Auftakt der diesjährigen Filmreihe zu Jost Vacano

Am Mittwoch, den 17. Februar 2010, eröffnet der Film MORD IN FRANKFURT (1968, Regie: Rolf Hädrich) die auch in diesem Jahr wieder statt findende Filmreihe im Vorfeld der 12. Marburger Kameragespräche mit vier ausgewählten Filmen des Preisträgers Jost Vacano.

Im Anschluss an den Film folgt eine Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Volker Mergenthaler (Institut für Neuere deutsche Literatur der Philipps-Universität Marburg) und Prof. Dr. Hans Karl Rupp (Institut für Politikwissenschaft der Philipps-Universität Marburg), moderiert von Prof. Dr. Karl Prümm (Institut für Medienwissenschaft der Philipps-Universität Marburg).

Veranstaltungsort der gesamten Filmreihe sind die MARBURGER FILMKUNSTTHEATER (Oberstadt, Steinweg 4), Beginn ist jeweils um 20 Uhr.

Die weiteren Filme der Reihe folgen jeweils am Mittwoch der drei folgenden Wochen, zweiter Film der Reihe wird am Mittwoch, den 24. Februar, DIE VERLORENE EHRE DER KATHARINA BLUM sein (1975, Regie: Volker Schlöndorff, Margarethe von Trotta). Auch im Anschluss an diesen Film findet eine Podiumsdiskussion statt, dann mit Dr. Astrid Pohl (Institut für Medienwissenschaft der Philipps-Universität Marburg) und Dr. Jan Süselbeck (Institut für Neuere deutsche Literatur der Philipps-Universität Marburg), die Moderation übernimmt Andreas Kirchner (Institut für Medienwissenschaft der Philipps-Universität Marburg).

Am 3. März folgt DIE UNENDLICHE GESCHICHTE (1984, Regie: Wolfgang Petersen; Einleitung in den Film durch Matthias Michel, Student der Medienwissenschaft), den Abschluss der Filmreihe wird am 10. März, bereits in der Woche der Kameragespräche, STARSHIP TROOPERS bilden (1997, Regie: Paul Verhoeven; im Anschluss Diskussion mit Dr. habil. Burkhard Röwekamp, Institut für Medienwissenschaft der Philipps-Universität Marburg).

>> Das vollständige Programm der Filmreihe finden Sie hier als Übersicht.

Jost Vacano – Die Filmreihe in den Marburger Filmkunsttheatern: Editorial

Hinweis: Das leicht gekürzte Editorial ist der Broschüre zu den Veranstaltungen im Vorfeld der 12. Marburger Kameragespräche entnommen.

Am 13. März 2010 wird der deutsche Kameramann Jost Vacano den 10. Marburger Kamerapreis, Auszeichnung für herausragende Bildgestaltung im Film, entgegennehmen. Die Laudatio wird der Regisseur Peter Schamoni halten, und die Preisverleihung wird musikalisch umrahmt durch das Duo Klaus Doldinger, der die Musik zum wohl wichtigsten Film Vacanos komponiert hat, zum Welterfolg DAS BOOT (1981).
Eine Reihe mit vier Filmen, die Jost Vacano fotografiert hat, bietet die Möglichkeit, das Werk dieses Kameramanns bereits im Vorfeld der Preisverleihung und der Marburger Kameragespräche (13. und. 14. März 2010) intensiver kennen zu lernen.
Im Laufe seiner langen Karriere war Jost Vacano in drei sehr unterschiedlichen Produktionssystemen höchst erfolgreich: im deutschen Fernsehspiel der 1960er und 1970er Jahre, im Neuen Deutschen Film und in Hollywood.
Diese einzelnen Stationen zeichnet die Filmreihe mit exemplarischen Arbeiten nach. MORD IN FRANKFURT (1968), von Jost Vacano beinahe ausschließlich mit der Handkamera gedreht, zeigt mit einem dokumentarischen Gestus, mit welcher Ignoranz die deutsche Gesellschaft damals an den Auschwitz-Prozessen vorbeisah. Dieser Fernsehfilm strahlt auch heute noch eine verblüffende Lebendigkeit und Frische aus. Er ist zugleich ein pointiertes Zeitbild und aufschlussreiches Porträt der neuen, nach dem Krieg wiederaufgebauten Stadt Frankfurt. DIE VERLORENE EHRE DER KATHARINA BLUM ODER: WIE GEWALT ENTSTEHEN UND WOHIN SIE FÜHREN KANN (1975) gehört gewiss zu den wichtigsten politischen Filmen der 1970er Jahre und basiert auf der gleichnamigen, bei ihrem Erscheinen im Jahr 1974 heftig umstrittenen Erzählung von Heinrich Böll.
Mit der Verfilmung des weltweit erfolgreichen Romans DIE UNENDLICHE GESCHICHTE (1984) von Michael Ende wollte der deutsche Film, nach dem Erfolg mit DAS BOOT, zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit den Weltmarkt erobern, was dann auch gelang – dank spektakulärer Studiotechnik und avancierter Bildarbeit. Der technisch noch weit aufwändigere Science-Fiction-Film STARSHIP TROOPERS (1997) wird oft missverstanden als Glorifizierung einer totalitären Kriegsführung. Übersehen wird dabei die Dekonstruktion von Feindbildern und Vernichtungsphantasien, die hier geleistet wird. Da beinahe alle Filme dieser Reihe also Zündstoff bieten und Kontroversen herausfordern, wird die Filmprojektion mit Einführungen und Podiumsdiskussionen verbunden, an denen jeweils ausgewiesene Experten beteiligt sind.

Andreas Kirchner, Matthias Michel, Anett Müller und Karl Prümm