Atomenergie
Mit neuer Strahlkraft
Die Kernenergie erlebt weltweit eine Renaissance. Überall sind neue Reaktoren in Planung. Deutschland wird nicht mehr lange abseits stehen
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Illustration: Caroline Ronnefeld
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Zuvor schalten die Energieversorger noch ein paar Meiler ab, beginnend mit dem 340-Megawatt-Werk in Obrigheim (Mai 2005) – ein kleiner Fisch; die Großreaktoren von Biblis, die zusammen 2525 Megawatt auf die Waage bringen, hätten der Stromwirtschaft mehr wehgetan. Aber dann wird Schritt für Schritt umgesteuert: Erst verlängert man die Laufzeiten bestehender Kraftwerke, und ein paar Jahre später werden neue errichtet.
Noch ist das eine Prognose – der Vertreter der Energiewirtschaft hinter vorgehaltener Hand zustimmen. Sollte sie sich bewahrheiten, dann ginge das mit einigen politischen Konvulsionen einher. Irgendjemand müsste ja das Atomgesetz umschreiben. Schwarz-Gelb? Die Grünen, so wie sie heute sind, könnten die Renaissance der Reaktoren jedenfalls nur in der Opposition überleben.
Die SPD hingegen käme durchaus als Wiederbelebungshelferin in Betracht; für sie ist das Verhältnis zur Atomkraft nicht identitätsbildend. »Viele Kritiker der Kernenergie, vor allem aus meiner eigenen Partei, versichern mir im Gespräch unter vier Augen, ich möge doch an meiner pronuklearen Haltung festhalten«, eröffnete zum Beispiel der sozialdemokratische EU-Parlamentarier Rolf Linkohr vor einigen Monaten einem staunenden Fachpublikum, »denn früher oder später müssten wir doch wieder in die Kerntechnik rein.« In Brüssel spricht man wohl unbelasteter über AKW als in Berlin. Das European Economic and Social Committee, ein Gremium, in das die EU-Staaten 317 Vertreter aus Wirtschaft und Gesellschaft entsenden, verabschiedete kürzlich mit Zweidrittelmehrheit eine Resolution: Kernenergie trage zur Versorgungssicherheit bei, zum Klimaschutz und zur Preisstabilität, und das Ziel der Nachhaltigkeit verbiete eine Politik des Ausstiegs. Die Energiekommissarin Loyola de Palacio sieht das genauso.
In China soll sich die Kapazität des AKW-Parks bis 2020 verfünffachen
Keine Chance für die Berliner Position. Mitleidig belächelt wurden die deutschen Vertreter auf einer Konferenz, die Anfang Juli von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Obninsk veranstaltet wurde, einem Städtchen unweit von Moskau. Dort teilten die Russen mit, sie wollten – positive Wirtschaftsentwicklung vorausgesetzt – ihre nukleare Stromproduktion binnen fünf Jahren annähernd verdreifachen; zu ihren 30 Reaktoren müssten also noch etliche hinzukommen. Aufsehen erregten die Chinesen, die ankündigten, am Aufschwung der Kernenergie verdienen zu wollen. Zurzeit verfügt das Land nur über 9 Meiler, aber binnen 15 Jahren soll sich die Kapazität des AKW-Parks ungefähr verfünffachen – und dann will das Land einen standardisierten Typ von selbst entwickelten 1000-Megawatt-Brummern auf den Weltmarkt bringen. »Das schaffen die nie«, war aus der deutschen Ecke zu hören. »Wenn es jemand kann, dann China«, entgegneten andere, und ein Südkoreaner wies darauf hin, dass sein Land bis 2015 immerhin 11 neue AKW errichten wolle, ebenfalls Marke Eigenbau. Weitere Asiaten werden folgen. Indien zum Beispiel, das sein ziviles Atomprogramm beschleunigt. Und sollte sich demnächst Indonesien für Kernkraftwerke entscheiden, dann könnten auch Vietnam und womöglich gar Thailand in die Atomtechnik einsteigen.
Ansonsten blickt Asien auf Japan. Dort produzieren 52 AKW fast ein Drittel des Stroms. Doch die Nuklearlobby erlitt einen Rückschlag, nachdem herausgekommen war, dass Sicherheitsprobleme verschwiegen und Betriebsprotokolle gefälscht worden waren. Nun soll die Atomenergie etwas langsamer und unter stärkerer Beteiligung der Öffentlichkeit wachsen. Namentlich Taiwan beobachtet das sehr genau; dort wird ein Viertel des Stroms nuklear erzeugt, aber gegen den Bau weiterer AKW regt sich Opposition.
Kernenergie ist für Schwellenländer interessant, weil sie den Anstieg des Strombedarfs günstig decken kann. Andere Gründe kommen hinzu. Ob in Brasilien oder Argentinien, Indien oder Iran – heimische Kerntechnik soll verhindern, dass fremde Mächte den Energiezufluss abdrehen könnten. Unausgesprochen bleibt ein weiteres Motiv: Wer über Kernkraft verfügt, ist eine potenzielle Nuklearmacht. Und solch eine Macht stößt niemand herum – siehe Iran.
Diese Ambition versetzt derzeit die Weltöffentlichkeit in Sorge. George Bush und der IAEA-Generaldirektor Mohammed al-Baradei haben daher eine Debatte über die internationale Sicherung des nuklearen Brennstoffzyklus gegen militärischen Missbrauch angestoßen. Vertreter der Schwellenländer wiederum wittern darin einen Trick der Reichen, sich ein Kartell für die lukrativer werdende Atomwirtschaft einzurichten.
Sie registrieren genau, dass sich einige Industriestaaten nach langer Pause anschicken, den Einsatz der Kernenergie wieder auszuweiten. Zunächst dadurch, dass Laufzeiten verlängert und Auslastungen erweitert werden – eine billige und politisch reibungslose Variante, die Kapazität zu erhöhen (allein 2003 brachte das einen Zuwachs von 34 Gigawatt, was etwa 35 neuen AKW entspricht). In den Vereinigten Staaten, wo 103 Reaktoren Strom erzeugen, wurde einem Viertel der Meiler Laufzeitverlängerung um 20 Jahre gewährt; weitere 50 Anlagen sollen folgen. Unterdessen bemüht sich die Industrie um Standortgenehmigungen für neue Meiler. Auch Kanada baut aus; Frankreich wiederum, dessen Strom zu 77,6 Prozent aus AKW stammt, hat vor, einen 1600-Megawatt-Druckwasserreaktor vom Typ EPR im eigenen Land zu errichten – eine deutsch-französische Entwicklung übrigens. Der erste EPR wird in Finnland von 2009 an Strom produzieren; er käme auch für die Türkei infrage, deren Regierung ihren Ausstiegsbeschluss kürzlich revidiert hat.
Haben die Kritiker also Unrecht, die vorrechneten, dass sich Kernkraft nicht lohne? Das hängt von den Umständen ab. Reaktorbau ist teuer, der anschließend jahrzehntelang (bis zu 60 Jahren) verfeuerte Brennstoff hingegen spottbillig. AKW sind also nichts für kurzfristigen Profit, wohl aber lang laufende Maschinen zum Gelddrucken. In die liberalisierte Ökonomie von heute passen sie nur dann, wenn die Randbedingungen langfristig stabil sind. In Finnland, dessen Strommarkt liberalisiert ist, erwartet die Stromwirtschaft eine kontinuierliche Politik. In Deutschland nicht.
Die Politik bestimmt die Energiepreise in hohem Maß. Umweltkosten der Kernenergie gehen zum Beispiel in ihren Preis ein, Müllentsorgung und Rückbau eingeschlossen, was für konkurrierende Energieformen nur ansatzweise der Fall ist. Kohlekraftwerke nutzen die Umgebungsluft ja nicht nur für ihren CO2-Müll als Endlager, sondern auch für Stickoxide, Schwefeloxide, organische Verbindungen sowie 100 Kilogramm giftiges Schwermetall pro Tag und Kraftwerk. Würde die Umweltpolitik darauf angemessen reagieren, dann wäre die Kernenergie uneinholbar im Vorteil.
Der deutsche Atomausstieg spielt weltweit keine Rolle
Die IAEA macht ihre Energieprognosen daher zu Recht von den Umständen abhängig und bietet mehrere Szenarien an, vom allmählichen Rückgang der Kernenergie bis zu deren Vervielfachung. Angesichts der wachsenden Weltbevölkerung, des Nachholbedarfs in Entwicklungsländern und der Notwendigkeit des Klimaschutzes kommt die Behörde allerdings zu dem Schluss, dass die nukleare Kapazität nach »mittlerer Schätzung« bis 2030 weltweit um das Zweieinhalbfache anwachsen dürfte – und bis 2050 um das Vierfache. Daraus ergeben sich zwei Schlussfolgerungen. Die erste: Reaktorsicherheit, Umgang mit Nuklearabfall und Sicherung des Brennstoffzyklus gegen Missbrauch gehören weltweit auf die Tagesordnung. Die zweite: Der deutsche Atomausstieg spielt international kaum eine Rolle.
Seit der Havarie von Harrisburg (Three Mile Island) 1979 und dem Unglück von Tschernobyl 1986 hat die Reaktorsicherheit Fortschritte gemacht. In Harrisburg kam niemand zu Schaden, Tschernobyl hingegen war eine Tragödie. Seither ist Reaktorsicherheit keine nationale Angelegenheit mehr, sondern die Aufgabe internationaler Institutionen; die fünf nuklearen Neuankömmlinge in der EU (Litauen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn) zum Beispiel müssen als Preis für ihren Beitritt strenge Auflagen erfüllen. Tschernobyl demonstrierte aber auch die veränderte Risikowahrnehmung: Der Reaktorunfall hat ungefähr den gleichen Symbolwert wie Hiroshima. Gezählt wurden bisher 45 Todesopfer. Die 2000 bis heute registrierten Fälle von Schilddrüsenkrebs, die vermutlich (genau weiß man es nicht) Folgen des Unglücks sind, hätten durch rechtzeitige Vergabe von Jodpillen vermieden werden können. Die Betroffenen müssen nun für die mangelnde Vorsorge büßen: Sie brauchen ein Leben lang ärztliche Aufsicht. Unklar ist, ob und wie viele andere Krebserkrankungen hinzukommen werden; die von den Vereinten Nationen veranlassten Untersuchungen konnten das nicht herausfinden. Zum Vergleich: Die jährliche Zahl der Todesopfer durch Kohlebergbau und -emissionen geht in die Zehntausende (und beträgt ein Vielfaches der entsprechenden Zahl für Uranbergbau und Kerntechnik).
Kann Tschernobyl sich wiederholen? Allenfalls in den wenigen verbliebenen Anlagen dieses Typs, und auch dann nur, wenn alle seither erfolgten Verbesserungen versagen. In anderen Kraftwerken sind – weniger dramatisch verlaufende – Kernunfälle ebenfalls nicht grundsätzlich auszuschließen, weshalb mit Notfallsystemen nachgerüstet wurde. Diese Meiler der zweiten Generation werden allmählich vom Europäischen Druckwasserreaktor EPR und anderen Maschinen der dritten Generation abgelöst, die einen – gering wahrscheinlichen – Schmelzunfall einkapseln sollen. Doch weil auch dies nicht hundertprozentig sicher ist, werden Anlagen entwickelt, die aus physikalischen Gründen nicht durchbrennen können. Die dritte Generation ist überdies gegen Terrorismus gefeit. Schon heute wäre es aus terroristischer Sicht irrational, ein AKW anzugreifen – keine andere Industrieanlage ist dermaßen gesichert; aber um die Standfestigkeit der älteren Meiler zu erhöhen, sollten ruhig ein paar Millionen in Beton investiert werden. Elegant wäre es zum Beispiel, jedes AKW mit Windkraftanlagen zu umstellen, um die Wucht eines auftreffenden Flugzeugs zu mildern.
Kniffliger ist das Problem des Atommülls. Erfreulicherweise sind die Zeiten vorbei, da die Atomlobby auf Kosten der eigenen Glaubwürdigkeit so tat, als sei dies eine Trivialität. Es sprechen auch die beiden Schulen wieder miteinander: Diejenigen, die den Müll teilweise zu Brennstoff wiederaufarbeiten wollen, damit nicht Hunderttausende Jahre gewartet werden muss, bis der Abfall die natürliche Radioaktivität von Uranerz erreicht hat – und diejenigen, denen diese Aufarbeitung zu teuer ist. Selbst in den USA, die unter Jimmy Carter vom Recycling des Atommülls Abstand genommen hatten, ist die Debatte wieder offen, auch wegen der Schwierigkeit, das Endlager Yucca Mountain durchzusetzen. Immerhin hat das Problem den Vorteil, dass es nicht drängt. Der Abfall nimmt wenig Raum ein und ließe sich vorläufig verbunkern. Dadurch würde man Zeit gewinnen, um Reaktortypen weiterzuentwickeln, die den Müll so nutzen, dass der verbleibende Rest nur 300 bis 400 Jahre lang gefährlich strahlt – noch dazu so stark, dass niemand daraus eine Waffe bauen kann.
Das wären zum Beispiel Schnelle Brüter.
Die PR-Leute der Atomindustrie gäben etwas darum, hätten die Techniker diese Maschinen einst anders getauft. Schneller Brüter, das klingt nach Kontrollverlust und Rosemarys Baby. Tatsächlich können Brüter Plutonium in großen Mengen herstellen – und wie gut sie sich kontrollieren lassen, das hängt von Feinheiten des Designs im Reaktorkern ab. Wobei sich das Wort »schnell« nicht auf Kernreaktionen bezieht; im Jargon der Experten steht es für »energiereich«. Mit energiereichen Neutronen sollen Reaktoren, die derzeit in internationaler Zusammenarbeit entwickelt werden, Atommüll entschärfen und die Uranvorräte besser ausnutzen, als es herkömmliche Meiler können. Die heute verfügbaren Ressourcen reichen nämlich nur 50 bis 60 Jahre, mit technischen Verbesserungen vielleicht 80; nachhaltige Nutzung mit Brütern hingegen könnte diese Zeit auf ein Vielfaches strecken – bis in fernerer Zukunft die Kernfusion genutzt werden kann.
Der Hochtemperaturreaktor ist der beste Freund der Brennstoffzelle
Auf der IAEA-Tagung in Obninsk galt die Wiederkehr der Schnellen Brüter als ausgemacht. Frankreichs Regierung hat bereits prüfen lassen, ob der wegen seiner Havarien abgeschaltete Brüter Superphenix wieder flottgemacht werden könnte, um ihn für Forschungszwecke zu nutzen wie seinen kleineren Bruder Phenix. Leider nein, lautete die Antwort, das hättet ihr euch vorher überlegen müssen, die Demontage ist technisch zu weit fortgeschritten. Diesen Fehler vermeiden die Japaner, die ihren Brüter Monju nach jahrelanger Reparatur wieder anfahren wollen. Die Brüter-Forschung in Amerika wiederum wurde nie unterbrochen, und derzeit werben die Russen weltweit um Geldgeber für ihre Brüter-Programme. Allerdings muss noch einiges erforscht werden; heikelster Punkt bleibt das Kühlmittel. Optimal wäre Natrium, aber wie man aus der Schule weiß, reagiert das Element beeindruckend mit Luft oder Wasser. Es gibt andere Metallschmelzen, die infrage kommen, aber unzureichend erprobt sind.
Zu den Kraftwerken der vierten Generation, die noch in dieser Hälfte des Jahrhunderts arbeiten sollen, zählen auch Hochtemperaturreaktoren (HTR) – wieder so ein ungeschickt gewählter Name. In der Spaltzone eines HTR ist es nicht heißer als in einem normalen Reaktor – nur ist hier die Hitze ein Problem, weil die Brennelemente sie nicht aushalten, wenn der Kühlumlauf einmal ausfallen sollte. Der Brennstoff des HTR hingegen ist so konstruiert, dass er der Hitze in jedem Fall standhält, Kernschmelze ausgeschlossen. Mehr noch, das Kühlmittel darf so weit aufgeheizt werden, dass sich der Reaktor als Lieferant von Prozesshitze eignet – zum Beispiel für die Herstellung von Wasserstoff. Der beste Freund der umweltfreundlichen Brennstoffzelle, die mit Wasserstoff betrieben wird, ist nämlich der HTR: die ideale Energietechnik, den Verkehr von Öl auf den Treibstoff der Zukunft umzustellen. Derartige Reaktoren werden in Südafrika, in Japan, in China und in den Vereinigten Staaten gebaut. Ihr Design folgt überwiegend einer Idee aus Deutschland.
Dort, wo normale Wärme ausreicht und hochgradige Hitze nicht nötig ist, kommen auch herkömmliche Maschinen infrage. Russland plant Heizreaktoren für kalte Orte wie Archangelsk und Woronesch. In Indien wiederum ist nicht Kälte das Problem, sondern Wasser. Also experimentieren die Inder (wie auch die Brasilianer) mit nuklear betriebenen Anlagen für die Meerwasserentsalzung. Etliche Länder arbeiten an »Batterie-Reaktoren« für die Dritte Welt. Die versorgen einen Ort oder Stadtteil mit Energie, werden komplett geliefert, sind eingekapselt und halten jahrzehntelang, ohne dass der Brennstoff gewechselt wird (weshalb niemand daraus Waffenmaterial produzieren kann) – ideal für Regionen ohne große Stromnetze.
Schön und gut, ließe sich einwenden, aber Deutschland muss ja nicht mittun. Kernkraft ist schließlich nur eine Technik unter vielen.
Das stimmt. Doch sie produziert genauso wenig CO2 pro Kilowattstunde wie Sonnenstrom und Windkraft, wenn nicht sogar weniger. Sie gibt ihre Leistung billig und kontinuierlich ab, eignet sich also für die umweltfreundliche Produktion von Industriestrom. Warum darauf verzichten?
Deutschland war einmal führend auf diesem Gebiet. Zwar rufen Kraftwerksbetreiber immer noch bei Framatome/ANP in Erlangen an, wenn ein Dampferzeuger getauscht werden muss. Aber deutsche Nukleartechniker sind überwiegend ältere Herren, die ihre Mühe haben, im Reaktorgebäude umherzukriechen. Der Nachwuchs bleibt aus. Im Innovationsnetzwerk Generation IV sind die Deutschen schon gar nicht mehr vertreten. Ihre Autorität in Sicherheitsfragen sinkt. Sie beteiligen sich noch nicht einmal an der Kampagne zur Vernichtung von Waffenplutonium, obwohl sie es könnten – mit ihrer Anlage in Hanau.
Wie lange wohl wird sich das Land diesen Luxus leisten? Höchstens noch, bis die Zeit der Zwänge anbricht. Bis die Energiefrage ihren politischen Kern zeigt, etwa, wenn der Öl- oder Gaspreis nach oben klettert oder es sich erweist, dass unsere Energieträger zu einem großen Teil aus Krisenregionen stammen. Oder wenn die Einhaltung der Kyoto-Beschlüsse zum Problem wird.
Bei den Energieversorgern, die derzeit Gaskraftwerke bauen, erwartet man den Neubeginn gelassen: Irgendwann sei die deutsche Sonderrolle eben ausgespielt. Die Opposition in Berlin hat kürzlich ja schon mal getestet, wie die Öffentlichkeit darauf reagieren würde. Schlimm war’s nicht.



