Panel 2.4 | Routen und Routinen – Koordinaten des Körpers in »neuen Räumen«

In einer Reihe geisteswissenschaftlicher »turns« bildet der »spatial turn« die sicherlich nicht letzte Wende. Unter dem Stichwort »Locative Media« rückten dabei aus medienwissenschaftlicher Perspektive v.a. die Bewegungen von Menschen in digitalen Environments und deren möglichen Kartierungen in den Mittelpunkt.
Mit der technischen Genese neuer Räumlichkeiten entstehen auch neue Rechtssphären, die zunehmend Fragen nach informationeller Selbstbestimmung, nach Normierungspraktiken, nach Hoheitlichkeiten evozieren. Das Panel wird die zunehmende Virtualisierung/Algorithmisierung des Raumes mit Blick auf heterogene Räume problematisieren. Diese Mediatisierung des Raums gilt sowohl für eine Makroperspektive: die Digitalisierung und Verdatenbankung von Grenzräumen, die Automatisierung von visueller Überwachung von urbanen Räumen; aber auch die Kybernetisierung auf Mikroebene: die Vermessung von Bewegungen oder Routen in Wohn- oder Arbeitsumgebungen. Diese doppelte Perspektive verweist sowohl auf die Fragmentierung des Körpers als auch auf seine neue Verhandelbarkeit, die im Zeitalter informationsprozessierender Maschinen ein exponentielles Wachstum erfährt. Hiermit drängen sich Fragen auf, wie z.B. ob das (digitale) Rechtssubjekt nur noch als biometrisch vermessene Spur justiziabel werden kann? Wie verändern sich Arbeits- und Wohnumgebungen durch die multiplizierten Zugriffstechniken auf den Körper?
Der Körper lässt sich nicht allein mit der Diagnose einer Dematerialisierung seiner Leiblichkeit umschreiben. Un/Sichtbarkeit durch/für Überwachungstechnologien (Andreas), die standartisierten Messpunkte zur Datenerkennung in der Biometrie (Wichum), Messverfahren für Körperhaltungen (Kasprowicz), oder die Vermessbarkeit des privaten Wohnraumes (Janssen) reduzieren den Komplex der »Person« nicht nur auf ein Datenraster, sie sind als »Dividuierungsmaschinen« (Deleuze) Agenten für die Legitimität – und damit auch für eine vermeintliche Evidenz – neuer Rechts- und Normierungsräume.

Ricky Wichum (Freiburg)
Das Gesetz und die medientechnische Vermessung des Körpers

Dawid Kasprowicz (Lüneburg)
Nullbelastung als Normsetzung: Die NASA Neutral Body Posture

Anneke Janssen (Lüneburg)
(Wohn-) Raum und Media. Eine Strategie der Verbindung.

Michael Andreas (Bochum)
Individuation und Kontrolle – »Unterwegs sein« nach Überwachungstechnologien