Sophie G. Einwächter

Universität Mannheim

»Please don't sue«: Zum fankulturellen Umgang mit kontingenten Rechtsnormen

Rebecca Tushnet plädiert 1997 dafür, fankulturelle Praktiken rechtlich als unter die Fair Use-Klausel des angloamerikanischen Copyrights fallend zu betrachten. Nach dieser Klausel stellen Werke, die ein geschütztes Werk zitieren, kritisieren oder parodieren, diesem also eine Bedeutungsebene hinzufügen, keine Copyright-Verletzungen dar. Auch Fans ist diese Klausel bekannt, zumal es unter ihnen rechtskundige Professionelle gibt; im angloamerikanischen Rechtsraum berufen sie sich teils explizit darauf. Im deutschen Sprach- und Rechtsraum müssen sich Fans mit den entsprechenden Schrankenbestimmungen des Urheberrechts vertraut machen, um die Rechtslage einzuschätzen. Wie auch beim Fair Use wird das Zutreffen dieser Bestimmungen jedoch meist von Fall zu Fall entschieden.
Der Vortrag stellt die organisatorischen Auswirkungen dieser von Fans als rechtlich kontingent empfundenen Situation anhand aktueller Beispiele aus der Fantasy-Fanszene vor. Bei den aktivem Fans, die ich für meine Dissertation (2013) interviewte, herrschten drei Strategien vor, mit der unsicheren Rechtslage ihrer Werke umzugehen: 1. Produktion und Vertrieb von Fanwerken mit einer Erklärung guter Absichten, sowie Verweis auf die Rechteinhaber, 2. Versuche der Kontaktaufnahme und Einigung mit potentiellen Rechteinhabern, 3. Selbstregulierung auf ein für ungefährlich erachtetes Maß an Involvierung fremder Inhalte, etwa per privatem, nicht-kommerziellem Vertrieb.
Ein weiterer Kontext, in dem Fans mit Rechtsnormen konfrontiert sind, stellt die Rechtsform ihrer Unternehmungen dar. War in der vor-digitalen Zeit noch der vereinsrechtlich definierte Fanclub die meist verbreitete Organisationsform, so verlassen im digitalen Zeitalter immer mehr Fans diesen als zu bürokratisch und zu wenig handlungsfähig empfundenen rechtlichen Rahmen. Hieraus resultiert eine Verantwortungsübernahme durch einzelne Fans, was bislang noch unabsehbare finanzielle Konsequenzen mit sich bringt.

Vita

Dr. des. Sophie G. Einwächter ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft der Universität Mannheim. Sie promovierte 2013 an der Goethe-Universität Frankfurt mit einer Dissertationsschrift zur Rolle von Fans innerhalb der Kulturwirtschaft: »Transformationen von Fankultur. Organisatorische und ökonomische Konsequenzen globaler Vernetzung«. Sie ist seit 2012 Vorstandsmitglied des European Network for Cinema and Media Studies (NECS) und Gründerin der »Fan Studies Workgroup« innerhalb des Netzwerks.