Stephan Packard

Universität Freiburg

Die Allmende draußen und überall: Exteriorität und Ubiquität in Diskursen immateriellen Güterrechts

Im rechtlichen und kulturellen Streit um Urheber- und Verwertungsrechte an immateriellen Inhalten in Mashups, Internetvideos, und anderen Genres, die Tonmaterial derivativ wiederverwenden, schreiten Motive und Alternativen der Diskussion in Entwürfe unterschiedlicher politischer Reichweite aus: So changiert der Begriff einer »digitalen« Allmende, im Zeitalter der Medienkonvergenz unmittelbar auch auf Tonsendungen bezogen, zwischen dem Appell zur Aufrechterhaltung bestehender Gemeinschaftsrechte und dem Versprechen einer radikalen Innovation für technisch und kulturell veränderte Kommunikationszusammenhänge.

Der Beitrag setzt sich mit ausgewählten Aufhängepunkten der aktuellen Debatte in Deutschland auseinander: Dem Begriff der »Kulturwertmark«, der »digitalen Allmende« selbst und den darüber neu reflektierten Begriffen von »Gemeinschaft«. Es werden zwei heuristische Begriffe zur Analyse von Phänomenen medialer Kontrolle vorgeschlagen, die die Exteriorität der entscheidenden Instanz und die Ubiquität medialer Kontrolle in jeder Kommunikation polarisieren: So oszillieren die beschriebenen Diskurse: sie vergegenständlichen einerseits eine Verhandlung von Legitimität kommunikativer Handlungen und ihrer Kontrolle über Vorstellungen vom Innen und Außen einer Kommunikation, und behandeln andererseits eine Vorstellung von Ubiquität als grenzenlos bestimmter Innovationsmacht neuer Technologien, deren Ortlosigkeit, und die allgemeine Gültigkeit von Codegesetzen und abstrakten Inhalten, auf die immaterielle Eigentumsansprüche erhoben werden. Die Konkurrenz zwischen der Behauptung eines abgeschlossenen Raums, etwa der »digitalen Gesellschaft«, gegen äußere Interventionen, und der Universalisierung der beteiligten, Veränderungen unterworfenen oder am gemeinschaftlichen Eigentum partizipierenden Gesamtheit, gilt es an den Details der politischen und feuilletonistischen Stellungnahmen sowie der Paratexte einschlägiger Internetpublikationen nachzuzeichnen.

Vita

Juniorprofessor für Medienkulturwissenschaft an der Universität Freiburg. Schwerpunkte: Semiotik, Psychoanalyse; Affektsemiologien; Zensur und andere Formen textueller und medialer Kontrolle; sowie Comicforschung. Publikationen u.a.: Psychosemiotische Medienanalyse. Göttingen 2006 (Diss.). Thinking – Resisting – Reading the Political, Berlin 2013 (Mithg.). Abschied von 9/11? Distanznahmen zur Katastrophe, Berlin 2013 (Mithg.). Comics & Politik, Berlin 2014 (Mithg.)