Sven Stollfuß

Universität Mannheim

»Trust in me. I am always watching« Recht und Unrecht in »Person of Interest«

Die Anschläge des 11. September zogen die Wahrnehmung einer historischen Zäsur nach sich – »You're either with us or against us« (George W. Bush) –, die sich in der populärer Medienkultur zu avancierten Erzählungen verdichten. »9/11« beeinflusst dabei in besonderer Form die US-amerikanische Fernsehindustrie (Spigel 2004). Das US-Fernsehen begann den »War on Terror« zu einem narrativen Spektakel zu elaborieren, indem nicht zuletzt der Übergang zwischen Recht und Unrecht als ein noch durchlässigerer erscheint. Im Kampf gegen die, die »against us« sind, ist letztlich jedes Mittel recht.
Die Serie »Person of Interest« (CBS, seit 2011) führt dies auf eigentümlich perfide Weise vor; durch totale Überwachung. Ein Computerprogramm beobachtet alles – vollautomatisch und selbstregulierend –, um künftige Strafdelikte rechtzeitig zu antizipieren. Aber »big data« des »quantified crime« haben ein Problem, ein Interessenproblem. Nicht alle Verbrechen sind der Regierung zweckdienlich im Kampf gegen den Terror. Um die irrelevanten, die alltäglichen Gewalttaten gerade auf den Straßen New Yorks kümmern sich andere – der Rechtsweg ist nachrangig.
Der Vortrag examiniert das audiovisuelle Geflecht emergenter (Un-)Rechtsordnungen in »Person of Interest« zwischen den Belangen »legitimer', rechtsstaatlicher Subordination und der Renitenz »illegitimer« Selbstjustiz. Wem fällt rechtskonformes Handeln zu: den Systemsoldaten einer (korrupten) Staatsgewalt, den (undurchsichtigen) Akteuren des wohlhabenden Underground oder vielleicht doch der kalten Mathematik autopoietischer Rechenoperationen? Mit welchen ästhetischen und narrativen Strategien wird das zerbrochene Verhältnis von Privatheit und Öffentlichkeit, von Informalität und kodifiziertem Recht in den relationalen Beziehungen zwischen Akteuren, Netzwerken und systemischen Dynamiken audiovisuell (und mitunter selbstreflexiv) zur Aufführung gebracht?

Vita

Sven Stollfuß, Dr. des., seit Oktober 2012 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft der Universität Mannheim am Lehrstuhl von Prof. Dr. Jens Eder. Von 2009 bis 2012 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medienwissenschaft der Philipps-Universität Marburg und leitender Redakteur der Zeitschrift MEDIENwissenschaft. Promotion 2012 mit einer Arbeit über digitale endoskopische 3D-Visualisierungen in Medizin und Massenmedien. Forschungsschwerpunkte: Visuelle Kultur und digitale Medien, Bild- und Techniktheorie, Fernsehtheorie und Serienforschung.