Birk Weiberg

Zürcher Hochschule der Künste / Universität Zürich

Roy J. Pomeroy, Dunning Process Co., Inc., and Paramount Publix Corporation vs. Warner Bros. Pictures, Inc., Vitaphone Corporation, and Frederick Jackman. Zur Rolle von Patenten bei der Einführung der Rückprojektion

Die Einführung der Rückprojektion im US-amerikanischen Studiosystem in den frühen 1930er Jahren, die sich durch eine seltene Dynamik und scheinbare Zielstrebigkeit auszeichnete, ist bis heute nie im Detail untersucht worden. Sie wird allgemein mit einer Reihe praktischer Vorteile begründet, wobei die Frage nach dem Grund, Kompositverfahren überhaupt einzusetzen, dominiert gegenüber der Frage, welche Verfahren konkret angewendet werden. Ein solcher Ansatz nutzt Patente lediglich als Marker für technische Meilensteine bzw. schützenswerte Innovationen. Die Science and Technology Studies haben gezeigt, dass Patente nicht nur als passive Belege zu lesen sind, sondern ihnen selbst auch Handlungsmacht zukommen kann. Ein Patent kann eine Innovation nicht nur dokumentieren und schützen, es kann sie auch interpretieren oder ein Territorium für mögliche zukünftige Anwendungen definieren.

Untersucht werden soll dies in einer Fallstudie, nämlich der Ablösung des sog. Dunning-Verfahrens (ein Vorläufer späterer Blue-Screen-Techniken) durch die Rückprojektion. Dieser Umbruch lässt sich nicht nur mit spezifischen technischen und ökonomischen Vorzügen des neueren Verfahrens erklären, sondern auch durch rechtliche Konflikte zwischen einzelnen Hollywood-Studios und ihren Dienstleistern. Es wird mir hier darum gehen, zu zeigen, in welchem Netzwerk die Entwicklung der Rückprojektion vorangetrieben wurde und wie sich dadurch des Verhältnis der Industrie zu Patenten grundlegend geändert hat.

Vita

Seit 2014 künstlerisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Gegenwartskunst der Zürcher Hochschule der Künste. 2009 - 2014 Doktorand im Doktoratsprogramm Mediengeschichte der Künste am Kunsthistorischen Institut der Universität Zürich. 2012 Visiting Scholar am California Institute of the Arts. Studium der Kunstwissenschaft und Medientheorie, Philosophie und Medienkunst an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe sowie der Humboldt-Universität zu Berlin. Arbeitsschwerpunkte: Medienkunst, Film, Medientechnik