Peter Schulze

Universität Bremen; Hispanistik

Zensur und Subversion: Funktionen des Genrekinos während der Militärdiktatur in Brasilien

Wenige Jahre nach dem Militärputsch am 31. März 1964 wurde in Brasilien eine rigide Zensur implementiert. Den daraus resultierenden Einschränkungen in den Ausdrucksmöglichkeiten begegneten Filmemacher mit neuen ästhetisch-politischen Strategien, die ermöglichten, das Regime zu kritisieren ohne der Zensur anheimzufallen. Während die Zensoren ihr Augenmerk primär auf explizit politische Botschaften richteten, wie sie in der bis dato gängigen Ästhetik des »revolutionären« Autorenfilms zum Ausdruck kamen, konnte die Zensur durch allegorische Darstellungsweisen und durch Rekurse auf populäre Genres umgangen werden, insbesondere durch Aufgreifen von Genremustern der musikalischen Komödie »chanchada« des »nordestern« (eine brasilianische Variante des Western) oder des Gangsterfilms. Der Vortrag skizziert die spezifische Zensurpolitik und -praxis im historischen Kontext, um dann anhand ausgewählter Beispiele des späten Cinema Novo und des Cinema Marginal herauszustellen, wie Darstellungsweisen populärer Genres zur Artikulation von Regimekritik eingesetzt wurden.

Vita

Peter W. Schulze, Dr. phil., Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Romanistik an der Universität Bremen. Aktuelle Buchpublikationen als Mitherausgeber: Genre Hybridisation. Global Cinematic Flows (2013), Novas Vozes. Zur brasilianischen Literatur im 21. Jahrhundert (2013), Crossing Frontiers. Intercultural Perspectives on the Western (2012), Glauber Rocha e as culturas na América Latina (2011). Mitgründer und Ko-Sprecher der AG Genre Studies der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM).